{"d":{"__metadata":{"id":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')","uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')","type":"itsystems.Pd.DataServices.DataModel.Business"},"BusinessResponsibilities":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/BusinessResponsibilities"}},"RelatedBusinesses":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/RelatedBusinesses"}},"BusinessRoles":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/BusinessRoles"}},"Publications":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Publications"}},"LegislativePeriods":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/LegislativePeriods"}},"Sessions":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Sessions"}},"Preconsultations":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Preconsultations"}},"Bills":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Bills"}},"Councils":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Councils"}},"BusinessTypes":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/BusinessTypes"}},"Votes":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Votes"}},"SubjectsBusiness":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/SubjectsBusiness"}},"BusinessStates":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/BusinessStates"}},"Council":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Council"}},"Transcripts":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20033014,Language='DE')/Transcripts"}},"ID":20033014,"Language":"DE","BusinessShortNumber":"03.3014","BusinessType":8,"BusinessTypeName":"Interpellation","BusinessTypeAbbreviation":"Ip.","Title":"Schweizer Beteiligung an Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven","Description":null,"InitialSituation":null,"Proceedings":null,"DraftText":null,"SubmittedText":"<p>Noch im September 2001 konnte Jean-Daniel Vigny, der Schweizer Menschenrechtsvertreter bei der Uno, im Zusammenhang mit der Diskussion, welche an der Uno-Konferenz von Durban \u00fcber afrikanische Entsch\u00e4digungsforderungen an die Adresse Europas gef\u00fchrt wurde, festhalten, die Schweiz habe \"mit Sklaverei, Sklavenhandel und Kolonialismus nichts zu tun gehabt\".</p><p>Dabei geht aus den Arbeiten sowohl europ\u00e4isch/amerikanischer (Wallerstein 1980, Wirz 1984) als auch afrikanischer (Ki-zerbo 1978, Unesco 1979, Thornton 1998) und westindischer Historiker  (Williams 1944, Fanon 1961, Rodney 1975) seit l\u00e4ngerem und immer deutlicher hervor, dass \u00fcber die grossen seefahrenden Nationen Spanien, Portugal, England, Frankreich und Holland hinaus der ganze europ\u00e4ische Kontinent durch ein weitreichendes Netz von Handels- und Finanzbeziehungen in den Dreieckshandel Europa-Afrika-Amerika mit einbezogen war, ja dass der wirtschaftliche Aufschwung Europas zwischen dem 16. bis zum 19. Jahrhundert bis hin zur Industrialisierung zu einem betr\u00e4chtlichen Teil auf diesen spezifischen \u00f6konomischen Beziehungen und damit auch auf Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven beruhte.</p><p>Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt nun aber schon ein lediglich kursorisches Studium verschiedener Werke und Aufs\u00e4tze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz im 18. Jahrhundert sowie eine Neulekt\u00fcre \u00e4lterer Standardwerke (L\u00fcthy 1959, Peyer 1968, Meyer 1969) zur \u00fcberraschenden Erkenntnis, dass die schweizerische Verflechtung mit Sklaverei und Dreieckshandel weit enger war als bisher bekannt.</p><p>Das Basler Handelshaus Burckhardt finanzierte Handelsfirmen f\u00fcr Sklavinnen und Sklaven in Nantes und beteiligte sich 1790 \u00fcber die Tochterfirma \"Bourcard et fils\" an der Ausr\u00fcstung eines Sklavenschiffs, an welcher auch Christoph Merian beteiligt war.</p><p>Das Waadtl\u00e4nder Unternehmen \"Illens et Van Berchem\" r\u00fcstete in Marseille zwei Schiffe aus, die \"Pays de Vaud\" und die \"Ville de Lausanne\", um Sklavinnen und Sklaven aus Mo\u00e7ambique zu transportieren. Ein drittes Schiff, die \"Helv\u00e9tie\", beteiligte sich sp\u00e4ter ebenfalls an einem solchen Transport.</p><p>Genfer Bankh\u00e4user wie \"Thellusson et Necker\", \"Cottin\" oder \"Banquet et Mallet\" sowie das Handelshaus Picot-Fazy finanzierten und unterst\u00fctzten vor allem via Nantes den Handel mit afrikanischen Sklavinnen und Sklaven. Mitglieder der Genfer Handels- und Banquiersfamilien Bertrand, Peschier, Flurnois, Butini, Gallatin, Dunant und Fatio besassen verschiedene Plantagen mit Sklavinnen und Sklaven in der Karibik (Dominica, Grenada, Surinam).</p><p>Mitglieder der Basler Patrizierfamilie Faesch besassen in Surinam w\u00e4hrend fast einem Jahrhundert Plantagen mit \"Negersklaven\", der Basler Johann Jakob Hoffmann beteiligte sich in Cura\u00e7ao am Handel mit Sklavinnen und Sklaven.</p><p>Die Berner Bank Marcuard und die Z\u00fcrcher Bank Leu erwarben Aktien der franz\u00f6sischen \"Compagnie des Indes\", einer staatlich privilegierten Handelsgesellschaft, welche u. a. auch \u00fcber ein Monopol im westafrikanischen Handel mit Sklavinnen und Sklaven verf\u00fcgte und deren Kapital zu 31 Prozent in Schweizer H\u00e4nden lag. Der Berner Banquier Emmanuel Haller betrieb Kolonialhandel im grossen Stil, und die Z\u00fcrcher Bank \"Rougement, Hottinguer und Cie\" beteiligte sich via die franz\u00f6sischen \"Sklavereih\u00e4fen\" Le Havre, Nantes und Marseille an \u00dcberseehandelsunternehmungen.</p><p>Mitglieder der St. Galler Familien Rietmann, H\u00f6gger  und Schlumpf besassen in Surinam die Plantagen \"L'Helv\u00e9tia\" und \"La Libert\u00e9\" samt dazugeh\u00f6rigen Sklavinnen und Sklaven, der Familie Z\u00fcblin geh\u00f6rte das Plantagenunternehmen \"Z\u00fcblins Lust\".</p><p>Schweizer waren in Surinam Directeurs (Plantagenleiter), darunter B\u00fcndner (Conrad), Appenzeller (Schl\u00e4pfer) und Schaffhauser (Winz).</p><p>Der Genfer Oberst Louis Henri Fourgeoud half 1763 bei der Niederschlagung von Aufst\u00e4nden der Sklavinnen und Sklaven in Surinam (1773-1778), der Schaffhauser Hauptmann Wipf befehligte das Schweizer Kontingent beim Versuch, die Sklaverei in Haiti wieder einzuf\u00fchren.</p><p>Ein Basler im Dienste der Schwedisch-Africanischen Compagnie, Isaac Miville, gr\u00fcndete 1652 die Handelsburg f\u00fcr Sklavinnen und Sklaven Cape Coast Castle (heute Ghana); der Basler Reinhard Iselin wurde Finanzberater des d\u00e4nischen K\u00f6nigs und grosser Kolonialunternehmer.</p><p>In Nantes waren f\u00fcnf Schweizer Familien im Handel mit Sklavinnen und Sklaven t\u00e4tig, Schweizer besassen dort praktisch das Monopol an der Herstellung von Indiennes-Stoffen, einem wichtigen Gut im Dreieckshandel.</p><p>Einige angesehene schweizerische Kaufleute und Handelsbanquiers (vor allem Textilbereich und Kolonialwaren) und deren Familien oder Dynastien haben durch mehr oder weniger direkte Beteiligung am Dreieckshandel teilweise Profite aus dem transatlantischen Handel mit Sklavinnen und Sklaven gezogen. Es betrifft dies u. a. die Escher (Z\u00fcrich), Rieter (Winterthur), Zellweger und Wetter (Appenzell Ausserrhoden), Riedy (Basel), Kunkler und Zollikofer (St. Gallen), Ammann (Schaffhausen), de Pury, Pourtal\u00e8s, Favre und Rossel (Neuenburg) sowie die Labhardt, Gyger und Gonzenbach (Thurgau).</p><p>Ich ersuche den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Wie bewertet er die Tatsache, dass Teile der schweizerischen Wirtschaft und Gesellschaft offenbar vor allem in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts (so genanntes Zeitalter der \"Aufkl\u00e4rung\") viel enger mit der Sklaverei in der Neuen Welt und dem dazu geh\u00f6rigen transatlantischen Handel mit Sklavinnen und Sklaven verkn\u00fcpft waren, als es der \u00f6ffentlichen Meinung und der Geschichtsforschung bisher bewusst war?</p><p>2. Ist er bereit, angesichts der Aussage von Bundesrat Samuel Schmid am 1. August 2002 zur Schweizer Geschichte (\"Wir haben die Kraft, unsere Geschichte aufzuarbeiten. Wir r\u00fcckten zurecht, was zurecht ger\u00fcckt werden musste.\") und angesichts der Tatsache, dass von afrikanischer Seite aus nicht nur immer deutlicher der Ruf nach Aufarbeitung und Entsch\u00e4digung der europ\u00e4ischen (und arabischen) Beteiligung an Sklaverei und Kolonialismus, sondern auch nach eigenverantwortlichem Handeln seitens der afrikanischen Zivilgesellschaften ert\u00f6nt (Soyinka 1999, Afrikanische Union 2002), die oben skizzierte Beteiligung der Schweiz an Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven aufarbeiten zu lassen oder diesbez\u00fcgliche Bem\u00fchungen seitens afrikanischer, europ\u00e4ischer oder auch schweizerischer Historikerinnen oder Historiker zu unterst\u00fctzen?</p><p>3. Die Schweiz hat 2001 mit der Schlusserkl\u00e4rung der Uno-Konferenz von Durban folgende Aussagen mitunterzeichnet: \"Wir bedauern, dass Sklaverei und Sklavenhandel entsetzliche Trag\u00f6dien der Menschheitsgeschichte waren; nicht nur wegen ihrer abscheulichen Barbarei, sondern auch angesichts ihres Ausmasses, der Art ihrer Organisation und vor allem der Negierung des Wesens der Opfer. Wir erkennen ferner an, dass Sklaverei und Sklavenhandel ein Verbrechen gegen die Menschheit sind und zu den wichtigsten Ursachen und Ausdr\u00fccken von Rassismus, rassischer Diskriminierung, Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und damit zusammenh\u00e4ngender Intoleranz geh\u00f6ren ....</p><p>Die Weltkonferenz gibt zu und bedauert zutiefst das Millionen M\u00e4nnern, Frauen und Kindern durch Sklaverei, Sklavenhandel und transatlantischen Sklavenhandel, Apartheid, V\u00f6lkermord und vergangene Trag\u00f6dien zugef\u00fcgte und unbeachtete Leid und \u00dcbel.\"</p><p>Ist der Bundesrat bereit, in Zusammenarbeit mit in dieser Frage engagierten afrikanischen, amerikanischen und europ\u00e4ischen zivilgesellschaftlichen Organisationen Vorstellungen hinsichtlich Wiedergutmachung und Entsch\u00e4digung gegen\u00fcber Afrika zu entwickeln?</p><p>Sollte eine Aufarbeitung die These von der weitreichenden schweizerischen Mitbeteiligung best\u00e4tigen?</p>","ReasonText":null,"DocumentationText":null,"MotionText":null,"FederalCouncilResponseText":"<p>1. Die Schweiz war nie eine Kolonialmacht und unterschied sich damit auf der Ebene verantwortlichen staatlichen Handelns grundlegend von diesen. Trotzdem waren verschiedene Schweizer B\u00fcrger mehr oder weniger stark am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt, was der Bundesrat aus heutiger Perspektive zutiefst bedauert. Diese Tatsache ist jedoch bekannt und wurde bereits in mehreren Arbeiten hervorgehoben, wie auch der Text der Interpellation unterstreicht.</p><p>2. An der Sklaverei und am Sklavenhandel waren viele Staaten beteiligt. Der Bundesrat ist deshalb der Ansicht, dass die verschiedenen Aspekte der Sklaverei und des Sklavenhandels auf internationaler Ebene und unter Beteiligung der Zivilgesellschaft behandelt werden m\u00fcssen.</p><p>Aus diesem Verst\u00e4ndnis pr\u00e4gte die Schweiz in Durban die Erkl\u00e4rung und das Aktionsprogramm der Weltkonferenz gegen Rassismus mit, welche hervorheben, dass Sklaverei und Sklavenhandel, Apartheid und V\u00f6lkermord Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen und wichtige Ursachen und Erscheinungsformen des Rassismus sind und dass der Kolonialismus zu Rassismus gef\u00fchrt hat (vgl. \u00a7 13, 14 und 15 des Aktionsprogramms; vgl. auch \u00a7 99ff. der Erkl\u00e4rung). Sie brachte klar zum Ausdruck, dass das in der Zeit des Kolonialismus und der Sklaverei begangene Unrecht kritisch aufgearbeitet werden muss. F\u00fcr die Aufarbeitung stehen die \u00fcblichen Instrumente der Wissenschafts- und Forschungsf\u00f6rderung zur Verf\u00fcgung. Die Schweiz hat sich auch mit personellen und finanziellen Mitteln zur Umsetzung des Aktionsprogramms engagiert, namentlich durch die Fachstelle f\u00fcr Rassismusbek\u00e4mpfung und den Fonds \"Projekte gegen Rassismus und f\u00fcr Menschenrechte\".</p><p>3. Der Bundesrat ist, wie unter Punkt 2 erw\u00e4hnt, der Auffassung, dass die verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel auf internationaler Ebene behandelt werden m\u00fcssen. Deshalb versucht die Schweiz eine vermittelnde Rolle zwischen afrikanischen Staaten und ehemaligen Kolonialm\u00e4chten zu spielen, namentlich in der Uno-Menschenrechtskommission.</p><p>Die Schweiz wirkt deshalb in den zwei Arbeitsgruppen mit, welche die Menschenrechtskommission eingesetzt hat, um den an der Weltkonferenz gegen Rassismus eingegangenen politischen Verpflichtungen Folge zu leisten. In den Arbeitsgruppen wirken auch Experten der Zivilgesellschaft mit.</p>  Antwort des Bundesrates.","FederalCouncilProposal":8,"FederalCouncilProposalText":null,"FederalCouncilProposalDate":"\/Date(1055721600000)\/","SubmittedBy":"Hollenstein Pia","BusinessStatus":229,"BusinessStatusText":"Erledigt","BusinessStatusDate":"\/Date(1071532800000)\/","ResponsibleDepartment":3,"ResponsibleDepartmentName":"Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten","ResponsibleDepartmentAbbreviation":"EDA","IsLeadingDepartment":true,"Tags":"12","Category":null,"Modified":"\/Date(1712757788510)\/","SubmissionDate":"\/Date(1046649600000)\/","SubmissionCouncil":1,"SubmissionCouncilName":"Nationalrat","SubmissionCouncilAbbreviation":"NR","SubmissionSession":4617,"SubmissionLegislativePeriod":46,"FirstCouncil1":1,"FirstCouncil1Name":"Nationalrat","FirstCouncil1Abbreviation":"NR","FirstCouncil2":null,"FirstCouncil2Name":null,"FirstCouncil2Abbreviation":null,"TagNames":"Recht Allgemein"}}