{"d":{"__metadata":{"id":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')","uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')","type":"itsystems.Pd.DataServices.DataModel.Business"},"BusinessResponsibilities":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/BusinessResponsibilities"}},"RelatedBusinesses":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/RelatedBusinesses"}},"BusinessRoles":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/BusinessRoles"}},"Publications":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Publications"}},"LegislativePeriods":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/LegislativePeriods"}},"Sessions":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Sessions"}},"Preconsultations":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Preconsultations"}},"Bills":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Bills"}},"Councils":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Councils"}},"BusinessTypes":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/BusinessTypes"}},"Votes":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Votes"}},"SubjectsBusiness":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/SubjectsBusiness"}},"BusinessStates":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/BusinessStates"}},"Council":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Council"}},"Transcripts":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Business(ID=20253164,Language='DE')/Transcripts"}},"ID":20253164,"Language":"DE","BusinessShortNumber":"25.3164","BusinessType":6,"BusinessTypeName":"Postulat","BusinessTypeAbbreviation":"Po.","Title":"Bedroht die expansive Auslegung von Grund- und Menschenrechten durch das Bundesgericht den F\u00f6deralismus?  ","Description":null,"InitialSituation":null,"Proceedings":null,"DraftText":null,"SubmittedText":"<p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu pr\u00fcfen und in einem Bericht darzulegen, wie im Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Kantone (z.B. Schulrecht, Einb\u00fcrgerungsrecht, kt. Wahlrecht, Polizeirecht) die Wertungsspielr\u00e4ume der kantonalen Gesetzgeber gegen die expansive Grund- und Menschenrechtsauslegung durch das Bundesgericht institutionell abgesichert werden k\u00f6nnen.&nbsp;</p>","ReasonText":"<p>In der Schweiz besteht nur eine partielle Verfassungsgerichtsbarkeit: Gesetze des Bundesparlaments (und auch Verordnungen des Bundesrates) k\u00f6nnen vom Bundesgericht nicht abstrakt auf ihre Vereinbarkeit mit der Bundesverfassung \u00fcberpr\u00fcft werden; Bundesgesetze sind von den Gerichten grunds\u00e4tzlich auch dann anzuwenden, wenn sie von den Gerichten als verfassungswidrig beurteilt werden (Art. 190 BV). Gegen\u00fcber den Kantonen bestehen diese Schranken nicht, d.h. das Bundesgericht \u00fcberpr\u00fcft kantonale Erlasse uneingeschr\u00e4nkt auf ihre Vereinbarkeit mit Bundesrecht; im Vordergrund dieser Pr\u00fcfung steht die Grund- und Menschenrechtskonformit\u00e4t kantonaler Erlasse.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Dieses System war solange unproblematisch, als sich das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung f\u00f6deralismusaffin zeigte und sich im Zweifelsfall Zur\u00fcckhaltung auferlegte. Diese Zur\u00fcckhaltung erodiert zunehmend: Die sehr vage formulierten Grundrechte der Bundesverfassung werden vom Bundesgericht immer expansiver interpretiert, womit die kantonalen Gesetzgeber vom Bundesgericht immer h\u00e4ufiger \u00fcbersteuert werden. Um nur einige aktuelle Beispiele zu nennen:&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><ul><li>Seit der Jahrtausendwende mussten mehrere Kantone ihre traditionellen Wahlsysteme aufgeben, weil das Bundesgericht seine Rechtsprechung zur Wahlrechtsgleichheit (Erfolgswertgleichheit) zun\u00e4chst f\u00fcr Proporzsysteme (ZG, UR) und dann auch f\u00fcr das Majorzsystem (AR) laufend versch\u00e4rfte (vgl. dazu Standesinitiative ZG 14.307. Wiederherstellung der Souver\u00e4nit\u00e4t der Kantone bei Wahlfragen).&nbsp;</li><li>Vor einigen Wochen hat das Bundesgericht mit Urteil 2C_405/2022 vom 17.1.2025 entschieden, dass es gegen das Diskriminierungsverbot und die Glaubens- und Gewissensfreiheit verstosse, wenn die Stadt Wil einer christlich-humanistisch gepr\u00e4gten Sekundarschule, welche nur f\u00fcr M\u00e4dchen zug\u00e4nglich ist, Schulgelder ausrichtet; damit sind verschiedene Sekundarschulen im Kanton St. Gallen, die eine jahrhundertelange Tradition aufweisen und in der Bev\u00f6lkerung tief verankert sind, in ihrer Existenz gef\u00e4hrdet (vgl. die kt. Motion 42.25.01 Vielfalt der Schulformen respektieren und absichern, die als Reaktion auf dieses Urteil eine \u00c4nderung der kantonalen Verfassung anstrebt). In \u00e4hnlicher Weise ist es den Kantonen nur noch in sehr engen Grenzen m\u00f6glich, Formen der Sonderbeschulung vorzusehen (vgl. Urteil 2C_227/2023 vom 29.9.2023) und ist es scheinbar eine Frage des Bundesverfassungsrechts, ob einer Legasthenikerin beim Zugangstest zum Medizinstudium ein Nachteilsausgleich zugesprochen werden muss (vgl. Urteil 2C_299/2023 vom 7.5.2024).&nbsp;</li><li>Die kantonal-rechtlichen Spielr\u00e4ume f\u00fcr Einb\u00fcrgerungen werden aufgrund einer stetig strenger werdenden Rechtsprechung immer enger; faktisch besteht heute weitgehend ein \u00abBundeseinb\u00fcrgerungsrecht\u00bb (vgl. etwa Urteil 1D_5/2022 vom 25.10.2023), ohne dass politisch \u2013 vom Verfassungs- oder Gesetzgeber \u2013 jemals eine solche Entscheidung getroffen worden w\u00e4re.&nbsp;</li><li>In verschiedenen F\u00e4llen hat das Bundesgericht neue Bestimmungen kantonaler Polizeigesetze kassiert, weil sie angeblich den Grund- und Menschenrechten zuwiderlaufen (BGE 149 I 218 [SO]; 147 I 103 [BE], zuletzt Urteil 1C_63/2023 vom 17.10.2024 [LU, zur Publ. vorgesehen]). So ist es mittlerweile beispielsweise weitestgehend Verfassungsfrage, ob und in welchem Umfang Teilnehmern illegaler Demonstrationen die Kosten eines Polizeieinsatzes \u00fcberbunden werden d\u00fcrfen. &nbsp;</li></ul><p>&nbsp;</p><p>Die Beispiele liessen sich vervielf\u00e4ltigen. Gemein ist ihnen, dass die kantonalen Gesetzgeber in ihren Wertungsspielr\u00e4umen \u00fcberm\u00e4ssig beschnitten werden. Anders als der Bundesgesetzgeber, der ein missliebiges Bundesgerichtsurteil korrigieren kann, indem er gesetzlich reagiert, besteht f\u00fcr die Kantone gegen die expansive Grundrechtsauslegung des Bundesgerichts kaum ein Gegenmittel. Dieses institutionelle Ungleichgewicht bedarf einer Korrektur. Der Bundesrat soll in seinem Bericht eine Auslegung machen, welche M\u00f6glichkeiten es g\u00e4be, um die Wertungsspielr\u00e4ume der Kantone weiterhin zu gew\u00e4hrleisten.</p>","DocumentationText":null,"MotionText":null,"FederalCouncilResponseText":"<span><p><span>Es ist nicht Aufgabe des Bundesrates, die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu bewerten oder sich zu einzelnen Urteilen zu \u00e4ussern. Aus Sicht der Gewaltenteilung ist diesbez\u00fcglich Zur\u00fcckhaltung gefordert. Die grundrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts spielt eine zentrale Rolle f\u00fcr die Entwicklung der Schweizer Rechtsstaatlichkeit und des Individualrechtsschutzes. Ganz besonders bedeutsam war diesbez\u00fcglich die Anerkennung von ungeschriebenen Freiheitsrechten unter der alten Bundesverfassung. Die Grundrechte der Bundesverfassung schr\u00e4nken kantonale Spielr\u00e4ume ein, da sie dem Einzelnen verschiedene Anspr\u00fcche vermitteln und damit zu einer gewissen Vereinheitlichung der Rechtslage in der ganzen Schweiz beitragen. Das wichtige Thema des Ausgleichs zwischen den grundrechtlichen und bundesstaatsrechtlichen Aspekten wird in der rechtswissenschaftlichen Literatur bereits ausf\u00fchrlich behandelt. Ein Bericht des Bundesrates zu diesem Thema ist deshalb nicht n\u00f6tig. </span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.","FederalCouncilProposal":45,"FederalCouncilProposalText":"Ablehnung","FederalCouncilProposalDate":"\/Date(1747785600000)\/","SubmittedBy":"Friedli Esther","BusinessStatus":209,"BusinessStatusText":"\u00dcberwiesen an den Bundesrat","BusinessStatusDate":"\/Date(1750061557000)\/","ResponsibleDepartment":5,"ResponsibleDepartmentName":"Justiz- und Polizeidepartement","ResponsibleDepartmentAbbreviation":"EJPD","IsLeadingDepartment":true,"Tags":"4|1221|1231|1236","Category":null,"Modified":"\/Date(1763089948650)\/","SubmissionDate":"\/Date(1742342400000)\/","SubmissionCouncil":2,"SubmissionCouncilName":"St\u00e4nderat","SubmissionCouncilAbbreviation":"SR","SubmissionSession":5207,"SubmissionLegislativePeriod":52,"FirstCouncil1":2,"FirstCouncil1Name":"St\u00e4nderat","FirstCouncil1Abbreviation":"SR","FirstCouncil2":null,"FirstCouncil2Name":null,"FirstCouncil2Abbreviation":null,"TagNames":"Staatspolitik|Gerichtswesen|Internationales Recht|Menschenrechte"}}