{"d":{"__metadata":{"id":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=112964L,Language='DE')","uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=112964L,Language='DE')","type":"itsystems.Pd.DataServices.DataModel.Transcript"},"Subjects":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=112964L,Language='DE')/Subjects"}},"MembersCouncil":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=112964L,Language='DE')/MembersCouncil"}},"Businesses":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=112964L,Language='DE')/Businesses"}},"ID":"112964","Language":"DE","IdSubject":"18275","VoteId":null,"PersonNumber":3897,"Type":1,"Text":"<pd_text><p>Ich beantrage Ihnen mit der Minderheit II, die Motion Fournier abzulehnen.</p>\n<p>1. Zur Situation des Wolfs in der Schweiz: Die Diskussion rund um den Wolf ist extrem emotionalisiert. Spr\u00fcche wie \"Zuerst die Rinder, dann die Kinder\" oder das Heraufbeschw\u00f6ren einer akuten Gefahr f\u00fcr den Menschen in der Schweiz sind schlicht falsch und tragen nichts zur Probleml\u00f6sung bei. Eine Mystifizierung des Wolfs im Sinne von Rotk\u00e4ppchen bringt sicherlich keine nachhaltige L\u00f6sung. Das heisst jetzt aber nicht, dass wir den Wolf in der Schweiz heiligsprechen und Konflikte ignorieren sollen. Wir m\u00fcssen den Wolf einfach als das behandeln, was er ist: ein Grossraubtier, das in die moderne Schweiz, seinen urspr\u00fcnglichen, nat\u00fcrlichen Lebensraum zur\u00fcckkehrt. Da braucht es selbstverst\u00e4ndlich Anpassungen an die neue Situation, die Frage ist nur, welche.</p>\n<p>Die wesentliche Frage ist, ob wir in der Schweiz ein Problem \"Wolf\" haben, oder ob wir nicht eher einzelne Problemw\u00f6lfe haben. Ich bin der Meinung, dass Letzteres der Fall ist. Wir m\u00fcssen die Probleme mit diesen einzelnen W\u00f6lfen l\u00f6sen. Das k\u00f6nnen wir mit der g\u00e4ngigen Praxis auch sehr gut; wir z\u00e4hlen ja schliesslich sozusagen zu den Weltmeistern im W\u00f6lfe-Abschiessen.</p>\n<p>Es kann aber nicht das Ziel sein, Wege zu suchen, um jeden Wolf abzuschiessen, der die Schweizer Grenze \u00fcbertritt. Die Motion Fournier - oder auch die Motion der UREK-NR - strebt aber genau das an. Sie sucht Wege zur Aufweichung des heute absolut gerechtfertigten Schutzstatus: Der Wolf, die alpine Population, ist gem\u00e4ss IUCN nach wie vor ein gef\u00e4hrdetes Tier.</p>\n<p>Da die ganze Zeit von Rudeln und Horden gesprochen wird, hier noch einmal kurz die Fakten: Wir haben in der Schweiz seit 1995 wieder W\u00f6lfe; 11 W\u00f6lfe sind in der Schweiz offiziell nachgewiesen. Bisher wurden 8 W\u00f6lfe legal geschossen, 2 kamen durch einen sogenannten Unfall ums Leben, und einer wurde gewildert. Zum Vergleich: Frankreich hat 150 bis 170 W\u00f6lfe, Italien genauso viele.</p>\n<p>In Italien und Frankreich gibt es eine problemlose Koexistenz - alles im Rahmen der Berner Konvention. Von einer Wolfsplage w\u00fcrde ich in dieser Situation nicht sprechen. </p>\n<p>2. Der Fokus auf die Berner Konvention ist der falsche Weg. Die Konvention betrifft den Wolf nur am Rande. Sie ist das \u00dcbereinkommen \u00fcber die Erhaltung der europ\u00e4ischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume, eine der bedeutendsten Konventionen zum Artenschutz. F\u00fcr gr\u00f6ssere und migrierende Tiere ist sie das R\u00fcckgrat schlechthin. Diese Tiere k\u00f6nnen nur international gesch\u00fctzt werden. Gute Beispiele hierf\u00fcr sind der Adler, der Biber oder auch der Fischotter. Die vorliegende Motion Fournier will nun den Vertrag so anpassen, dass jederzeit Vorbehalte gemacht werden k\u00f6nnen. Wenn aber ein Vertrag jederzeit nach dem eigenen Gusto wieder angepasst werden kann, stellt man das ganze Vertragswerk infrage. Die urspr\u00fcngliche Motion und die Minderheit I (Schmidt Roberto) wollen, falls das nicht m\u00f6glich ist, die Konvention k\u00fcndigen. Nach der K\u00fcndigung soll man dann husch, husch wieder beitreten und den Vorbehalt anbringen. Das widerspricht einerseits dem Grundsatz von Treu und Glauben, und andererseits wird das auch von den anderen Vertragspartnern sicherlich nicht gebilligt.</p>\n<p>3. Ich m\u00f6chte noch etwas zu den Instrumenten der Regulation sagen: Ich bin nicht gegen eine Regulation des Wolfes. Eine Regulation ist unter Umst\u00e4nden durchaus sinnvoll. Es gilt aber, ein paar Punkte zu beachten: Erstens k\u00f6nnen Problemw\u00f6lfe bereits heute abgeschossen werden; die Abschusszahlen sprechen f\u00fcr sich. Zweitens m\u00fcssen wir prim\u00e4r den Konflikt zwischen W\u00f6lfen und Schafhaltern weiter entsch\u00e4rfen, und daf\u00fcr braucht es in erster Linie die konsequente Umsetzung des Herdenschutzes, wie ich es zum Beispiel in meiner Motion fordere. Drittens, zur Jagd: Grossraubtiere nehmen eine nat\u00fcrliche Auslese der schw\u00e4cheren Wildtiere vor, sie erbeuten Tiere, die f\u00fcr den J\u00e4ger wenig interessant sind. Die ehrenvolle Funktion der Jagd ist die Regulierung der Wildbest\u00e4nde als Ersatz f\u00fcr die Grossraubtiere. Mit der R\u00fcckkehr der Grossraubtiere gilt es, diese Aufgabe der Aktualit\u00e4t anzupassen und nicht auf Beuteertr\u00e4ge zu beharren; das ist auch die Meinung von zahlreichen J\u00e4gern. Die Motion der UREK-NR sowie die Motionen Schmidt Roberto und Lustenberger sind deshalb klar abzulehnen, denn sie wollen genau das.</p>\n<p>Eine langfristige Regulation, die den Spielraum im Rahmen der Konvention ausn\u00fctzt - \u00e4hnlich wie das Frankreich tut -, ist als Kompromiss absolut akzeptabel. In diesem Sinne ist auch die Motion Hassler 10.3605 unterst\u00fctzenswert. Ich beantrage deshalb, die Minderheit II zur Ablehnung der Motion des St\u00e4nderates (Fournier) zu unterst\u00fctzen.</p>\n</pd_text>","MeetingCouncilAbbreviation":"N","MeetingDate":"20100930","MeetingVerbalixOid":1976,"IdSession":"4815","SpeakerFirstName":"Tiana Angelina","SpeakerLastName":"Moser","SpeakerFullName":"Moser Tiana Angelina","SpeakerFunction":"Mit-F","CouncilId":1,"CouncilName":"Nationalrat","CantonId":1,"CantonName":"Z\u00fcrich","CantonAbbreviation":"ZH","ParlGroupName":"Fraktion CVP/EVP/glp","ParlGroupAbbreviation":"M-E","SortOrder":6,"Start":"\/Date(1285838005909)\/","End":"\/Date(1285838347971)\/","Function":"Mit-F","DisplaySpeaker":true,"LanguageOfText":"DE","Modified":"\/Date(1774877745650)\/","StartTimeWithTimezone":"\/Date(1285838005910+0120)\/","EndTimeWithTimezone":"\/Date(1285838347970+0120)\/","VoteBusinessNumber":null,"VoteBusinessShortNumber":null,"VoteBusinessTitle":null}}