{"d":{"__metadata":{"id":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=371282L,Language='DE')","uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=371282L,Language='DE')","type":"itsystems.Pd.DataServices.DataModel.Transcript"},"Subjects":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=371282L,Language='DE')/Subjects"}},"MembersCouncil":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=371282L,Language='DE')/MembersCouncil"}},"Businesses":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=371282L,Language='DE')/Businesses"}},"ID":"371282","Language":"DE","IdSubject":"70723","VoteId":null,"PersonNumber":3897,"Type":1,"Text":"<pd_text><p>Ich m\u00f6chte Sie ebenfalls bitten, die Motion abzulehnen. Sie schw\u00e4cht den Gew\u00e4sserschutz in der Schweiz substanziell, dies, obwohl das Gegenteil - das Gegenteil! - dringend notwendig ist. Die Eawag, das ist das renommierte Wasserforschungsinstitut der Schweiz, publizierte im Oktober 2025, also vor rund f\u00fcnf Monaten, eine Studie. Sie hat f\u00fcnf B\u00e4che untersucht - sie macht das regelm\u00e4ssig -, und sie stellte fest, dass von den untersuchten 253 Pestiziden in diesen B\u00e4chen 135 Pestizide nachgewiesen wurden, 23 davon in Konzentrationen \u00fcber den Grenzwerten. Vor allem waren es Insektizide. Das zeigt, wie hoch die Belastung tats\u00e4chlich ist.</p>\n<p>Ich erinnere Sie gerne nochmals an das Beispiel, das ich auch letzte Woche erw\u00e4hnt habe. Es ist das Beispiel der Wyna im Kanton Luzern. Dort wurden k\u00fcrzlich Konzentrationen gemessen, die den Grenzwert um das 4000-Fache \u00fcberschritten haben. Es handelt sich um Deltamethrin. Deltamethrin ist ein hochgiftiges Insektizid. Ein Tropfen kann einen ganzen Bach vergiften. Davon sind die ganze Nahrungskette der Fische sowie der Fisch selbst betroffen. Genau zu dieser Situation und diesen Folgen haben Sie ein Schreiben des Luzerner Fischereiverbandes erhalten. Deltamethrin ist ein Nervengift - mit entsprechenden Folgen f\u00fcr das Nervensystem, auch f\u00fcr den Menschen.</p>\n<p>Absolut unverst\u00e4ndlich ist es, dass der Bundesrat f\u00fcr dieses hochgiftige Pestizid offenbar gar keinen Grenzwert festlegen will - aber vielleicht kann der Bundesrat sich dann dazu noch \u00e4ussern. F\u00fcr die Anwendung von Pestiziden, die weniger giftig sind, gibt es mehr Auflagen, wie zum Beispiel den gr\u00f6sseren Abstand zu Gew\u00e4ssern.</p>\n<p>Aus diesem Grund, wegen der Belastung, sind die meisten B\u00e4che in Gebieten, wo viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, biologisch v\u00f6llig verarmt. Sie sind teilweise faktisch leblos. Kritisch sind vor allem die Insektizide: Sie t\u00f6ten die Insekten in den Gew\u00e4ssern. Es geht nat\u00fcrlich auch um die Umwelt und damit um unsere Lebensgrundlagen. Schlussendlich geht es aber auch um die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung in unserem Land.</p>\n<p>Pflanzenschutzmittel sind oft toxisch, das ist ihr Sinn und Zweck. Sie sollen Sch\u00e4dlinge und Krankheiten bek\u00e4mpfen. Pflanzenschutzmittel wirken aber leider nicht nur dort, wo sie sollen, bei den Sch\u00e4dlingen; sie gehen auch ins Grundwasser, ins Trinkwasser und schlussendlich in die Lebensmittel. Sie wirken nicht nur toxisch f\u00fcr Sch\u00e4dlinge, sondern eben auch f\u00fcr N\u00fctzlinge wie Bienen, andere Insekten und nat\u00fcrlich f\u00fcr uns Menschen. Ich habe letzte Woche das Beispiel der Nervenkrankheit Parkinson erw\u00e4hnt: Sie nimmt weltweit zu, und die Zahl der Betroffenen hat sich in der Schweiz in den letzten dreissig Jahren verdoppelt - das ist nicht wenig. Der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Parkinson ist wissenschaftlich sehr gut belegt. In unseren Nachbarl\u00e4ndern gilt Parkinson deshalb auch als Berufskrankheit f\u00fcr die Landwirte. </p>\n<p>Die Situation zeigt exemplarisch auf, wie stark in der Schweiz die landwirtschaftlichen Interessen gegen\u00fcber dem Schutz der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung und der Umwelt priorisiert werden. Letzte Woche wurde in der Debatte zur parlamentarischen Initiative Bregy 22.441, \"Modernen Pflanzenschutz in der Schweiz erm\u00f6glichen\", gesagt, wir seien mit dem Absenkpfad auf Kurs. Der Zwischenbericht des Bundesrates zum Aktionsplan Pflanzenschutzmittel zeichnet aber ein anderes Bild: Es steht, das Ziel, die Fliessstrecke mit \u00dcberschreitungen der Grenzwerte zu halbieren, sei schwierig zu erreichen. Das zeigt: Wir sind eben nicht so gut auf Kurs, wie behauptet wurde. Und das zeigt, dass nicht eine Schw\u00e4chung des Gew\u00e4sserschutzes, sondern das Gegenteil dringend notwendig ist. </p>\n<p>Die Entscheide gehen aber in die falsche Richtung. Auf der einen Seite sollen mehr und einfacher Pestizide zugelassen werden; ein Beispiel ist die parlamentarische Initiative Bregy, die wir, wie gesagt, letzte Woche behandelt haben. Auf der anderen Seite soll nun mit dieser Motion das Monitoring so geschw\u00e4cht werden, dass kaum mehr Grenzwert\u00fcberschreitungen festgestellt werden k\u00f6nnen. So kann auch nicht mehr reagiert werden. Die Aufweichung des Schutzes erfolgt also nun von zwei Seiten. </p>\n<p>Sie haben geh\u00f6rt, was die Motion will. Warum macht man Grenzwerte? Grenzwerte sollen bleibende Sch\u00e4den verhindern. Selbstredend ist hier die Menge eben relevant. Bei Medikamenten macht man eine Dosierungsempfehlung, weil eine zu hohe Dosierung l\u00e4ngerfristig zu gesundheitlichem Schaden f\u00fchrt: Lebersch\u00e4den und Magengeschw\u00fcre sind Sch\u00e4den, die auftreten k\u00f6nnen, wenn man falsch dosiert. Aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden werden bei Pestiziden Grenzwerte definiert. </p>\n<p>In der Vernehmlassung zur Gew\u00e4sserschutzverordnung hat die Eawag - das ist das Wasserforschungsinstitut der Schweiz - eine \u00dcberpr\u00fcfung der Zulassung bei 2 Prozent der \u00dcberschreitungen gefordert. Das ist die wissenschaftlich basierte Empfehlung. Die Kantone, die f\u00fcr die Umsetzung zust\u00e4ndig sind, haben 5 Prozent gefordert. Sie haben es geh\u00f6rt: Die Kantone sind gegen die Motion. Der Bundesrat hat dann aber ohne Not und auf Druck der Landwirtschaft eine \u00dcberpr\u00fcfung der Zulassung bei 10 Prozent eingef\u00fchrt, was bereits 8 Prozent \u00fcber der wissenschaftlichen Notwendigkeit liegt. Jetzt will der Motion\u00e4r noch weiter gehen und den Wert auf 20 Prozent verdoppeln. Irgendwann haben Sie dann keine Grenzwert\u00fcberschreitungen mehr. Das ist nicht vertretbar mit der belasteten Gew\u00e4ssersituation, die wir in der Schweiz haben. Damit verunm\u00f6glichen Sie, dass \u00fcberhaupt vern\u00fcnftige Massnahmen mit Gew\u00e4sserabst\u00e4nden und D\u00fcsenanpassungen vorgenommen werden k\u00f6nnen. </p>\n<p>Ich bitte Sie, die Motion abzulehnen. Mit dieser Motion sagen Sie einfach: Werden Grenzwerte \u00fcberschritten, wollen wir das lieber gar nicht wissen, dann m\u00fcssen wir auch keine Massnahmen ergreifen. </p>\n<p>Die Motion ist einseitig. Sie ist an kurzfristigen landwirtschaftlichen Interessen ausgerichtet. Die Stoffe bleiben sch\u00e4dlich, auch wenn Sie wegschauen. Dieses kurzfristige Denken schadet unserer Umwelt, es schadet der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung, und es schadet schlussendlich auch dem Vertrauen in die Landwirtschaft in der Schweiz. </p>\n<p>Ich m\u00f6chte Sie bitten, die Motion abzulehnen.</p>\n</pd_text>","MeetingCouncilAbbreviation":"S","MeetingDate":"20260311","MeetingVerbalixOid":4140,"IdSession":"5212","SpeakerFirstName":"Tiana Angelina","SpeakerLastName":"Moser","SpeakerFullName":"Moser Tiana Angelina","SpeakerFunction":"Mit-F","CouncilId":2,"CouncilName":"St\u00e4nderat","CantonId":1,"CantonName":"Z\u00fcrich","CantonAbbreviation":"ZH","ParlGroupName":"Gr\u00fcnliberale Fraktion","ParlGroupAbbreviation":"GL","SortOrder":5,"Start":"\/Date(1773230494664)\/","End":"\/Date(1773230914248)\/","Function":"Mit-F","DisplaySpeaker":true,"LanguageOfText":"DE","Modified":"\/Date(1781865866097)\/","StartTimeWithTimezone":"\/Date(1773230494663+0060)\/","EndTimeWithTimezone":"\/Date(1773230914247+0060)\/","VoteBusinessNumber":null,"VoteBusinessShortNumber":null,"VoteBusinessTitle":null}}