{"d":{"__metadata":{"id":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=68731L,Language='DE')","uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=68731L,Language='DE')","type":"itsystems.Pd.DataServices.DataModel.Transcript"},"Subjects":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=68731L,Language='DE')/Subjects"}},"MembersCouncil":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=68731L,Language='DE')/MembersCouncil"}},"Businesses":{"__deferred":{"uri":"https://ws.parlament.ch/OData.svc/Transcript(ID=68731L,Language='DE')/Businesses"}},"ID":"68731","Language":"DE","IdSubject":"11141","VoteId":null,"PersonNumber":477,"Type":1,"Text":"<pd_text><p>Herr Bundesrat, Herr St\u00e4nderatspr\u00e4sident, Frau Bundeskanzlerin, Herr Bundesgerichtspr\u00e4sident, Herr Regierungspr\u00e4sident, Herr Gemeindepr\u00e4sident, gesch\u00e4tzte St\u00e4nder\u00e4tinnen und St\u00e4nder\u00e4te, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>\n<p>Ich erkl\u00e4re die Herbstsession der eidgen\u00f6ssischen R\u00e4te hier in Flims f\u00fcr er\u00f6ffnet.</p>\n<p>Das Parlament und der Bundesrat denken mit grosser Best\u00fcrzung an die Opfer des schweren Ungl\u00fccks, das sich letzten Samstag ganz in der N\u00e4he ereignet hat. In ihrem Namen entbiete ich den betroffenen Familien unsere tiefste Anteilnahme. </p>\n<p>Quai \u00e8 per mai ina gronda onur ed in plaschair da pudair avrir la sessiun qua a Flem.</p>\n<p>Die diesj\u00e4hrige Herbstsession ist die 648. der eidgen\u00f6ssischen R\u00e4te seit 1848; die 582. fand in Genf, die 620. in Lugano statt. Mit der Session in Flims schliesst sich der Kreis der Sessionen des Parlamentes ausserhalb von Bern, was allein schon ein aussergew\u00f6hnliches Ereignis ist. Nach dem Schnuppern an der grossen, weiten Welt in Genf und dem Abstecher in die S\u00fcdschweiz mit grenz\u00fcberschreitenden Aktivit\u00e4ten sind wir beim dritten Abstecher aus Bern in einem f\u00fcr das schweizerische Selbstverst\u00e4ndnis symbolischen Gebiet zu Gast. In Graub\u00fcnden, dieser Schweiz en miniature, haben, lange bevor die Schweiz gegr\u00fcndet wurde, drei Sprachen- und Kulturgemeinschaften und zwei christliche Konfessionen in wechselhaft spannungsgeladener und seit mindestens dreieinhalb Jahrhunderten friedlicher Koexistenz zusammengelebt. Hier hat sich die eigenst\u00e4ndige Sprachgemeinschaft der R\u00e4toromanen erhalten k\u00f6nnen, die einst die ganze Raetia prima umfasste und vom Alpenkamm bis ins s\u00fcddeutsche Gebiet, vom Friaul bis ins z\u00fcrcherische Pfyn - was nichts anderes als \"ad fines\" heisst.</p>\n<p>Der sich \u00fcber Jahrhunderte hinziehende Territorialverlust geht einher mit einem Substanzverlust, der in der heutigen Zeit die einzige eigenst\u00e4ndige schweizerische Sprachengemeinschaft im Innersten bedroht. Denn es ist eine Tatsache, dass insbesondere die B\u00fcndner Sprachenlandschaft sich zunehmend auf Kosten der romanischen Sprache ver\u00e4ndert. Flims ist in dieser Hinsicht ein durchaus realistisch gew\u00e4hlter Ort. Das romanische Wort \"Flem\" ist kaum noch zu sehen und zu h\u00f6ren. Flims ist ein Ort an der Grenze, wo eine grunds\u00e4tzlich zu begr\u00fcssende touristische Entwicklung eine florierende wirtschaftliche Existenzgrundlage geschaffen hat.</p>\n<p>Diese bedroht jedoch alte Werte wie diejenigen einer autochthonen Sprache und die kulturelle Identit\u00e4t. Wir k\u00f6nnen deshalb hier in Flims nicht nur das Loblied auf die vielbesungene Viersprachigkeit singen; das k\u00f6nnen und wollen wir aber auch. Es wird uns Gelegenheit geboten werden, uns von der Lebendigkeit und dem kulturellen Reichtum der R\u00e4toromania ein Bild zu machen. Gerade die sprachliche und kulturelle Grenzgemeinde Flims zeigt auf realistische Weise und jenseits der manchmal exotisch anmutenden Folklorisierung die Mannigfaltigkeit der Probleme, die sich bei der Erhaltung von Werten wie der Sprachenvielfalt und bei den kulturellen Br\u00fcckenschl\u00e4gen stellen.</p>\n<p>Zwei grundlegende Faktoren werden f\u00fcr die Zukunft des Romanischen bestimmend sein: zum einen der Wille der betroffenen Bev\u00f6lkerung - und damit meine ich sowohl die Alteingesessenen als auch diejenigen, die im romanischen Gebiet ihre neue Heimat finden -, zu diesem Erbe zu stehen und es zu erhalten. Zum anderen bedarf diese auf sich selbst gestellte Sprache, die nicht auf eine Kulturnation zur\u00fcckgreifen kann, der tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung durch uns Miteidgenossinnen und Miteidgenossen. Dass die Romanen dabei auf eine grosse Sympathie z\u00e4hlen k\u00f6nnen, macht ihre Forderungen, wenn sie in Franken und Rappen bilanziert werden m\u00fcssen, nicht immer einfacher. Das neueingerichtete Medienhaus in Chur ist eines der positiven Beispiele. Insgesamt m\u00fcssen aber die Aufwendungen des Bundes f\u00fcr die Belange der romanischen Sprache und Kultur eher unter den unbedeutenden Aufwendungen subsumiert werden.</p>\n<p>Nicht weit von Flims, im urromanischen Gebiet, steht auf dem Dorfplatz zu Trun ein Ahorn, unter dem der Graue Bund gegr\u00fcndet und weitere f\u00fcr die Region wichtige politische Entscheide gef\u00e4llt wurden. Als dieser Ahorn vor Jahren starb, kam es zu einem Nationaltrauertag. Ein neuer Ahorn wurde gepflanzt, und mit diesem wird die Tradition fortgef\u00fchrt, die im romanischen Lied \"A Trun sut igl ischi\" besungen wird. Dieselbe Achtung, Pflege und F\u00f6rderung, wie sie im symbolhaften Freiheitsbaum zum Ausdruck kommt, verdient auch die in ihrer Existenz bedrohte und doch so lebendige vierte Landessprache.</p>\n<p>Il diritto fondamentale ad un'identit\u00e0 personale e collettiva forgiata dalla lingua e dalla cultura deve essere garantito dallo Stato. Com'\u00e8 logico, le competenze in questo campo spettano in linea di principio ai cantoni. La Confederazione interviene solo a titolo sussidiario ed a fini di coordinamento. L'accettazione degli articoli costituzionali sulla formazione ha comportato in quest'ambito un assestamento nella ripartizione delle competenze senza tuttavia intaccare il principio della sovranit\u00e0 cantonale. Anche la legge sulle lingue di cui dovremo dibattere s'iscrive in questa collaudata tradizione, eccezion fatta per un aspetto per altro di rilievo: la Confederazione \u00e8 infatti chiamata in causa in modo particolare quando si tratta di proteggere le lingue nazionali e quindi in primo luogo il romancio, poich\u00e9 con la scomparsa di una di queste verrebbe meno una delle caratteristiche essenziali del nostro Paese, cio\u00e8 il quadrilinguismo.</p>\n<p>Il fatto che per via del movimento a favore del romancio 1938 esso fu dichiarato lingua nazionale dalla schiacciante maggioranza della sola popolazione svizzera di sesso maschile non va letto unicamente come una dichiarazione di lealt\u00e0 nei confronti della comunit\u00e0 linguistica meno numerosa ma anche come professione di una chiara scelta politica a favore di uno Stato federale fondato sul plurilinguismo e sul pluriculturalismo. In questo senso, il romancio \u00e8 anche una sorta di campanello d'allarme. I problemi, che affliggono i pi\u00f9 deboli, possono infatti estendersi anche ai pi\u00f9 forti. </p>\n<p>Negli ultimi anni abbiamo nuovamente dovuto costatare come la lingua e la cultura possono essere strumentalizzate a fini nazionalistici. Il nostro Paese ha saputo contrastare con successo queste derive sottraendo alla demagogia politica la componente identitaria elementare rappresentata dalla lingua. La Svizzera \u00e8 infatti uno dei pochi Stati multinazionali sopravvissuti all'euforia e alla tragedia delle ideologie basate sullo Stato nazione. Anche se talvolta dileggiato quale retaggio medievale di una societ\u00e0 multietnica, l'esempio di uno Stato in cui si dia per scontata una pluralit\u00e0 di lingue e di etnie evoca nei nostri vicini europei una dimensione pi\u00f9 visionaria che antica.</p>\n<p>Wenn wir in den n\u00e4chsten Wochen hier in Flims manchmal die Blicke von den Aktenbergen zum Himmel erheben, wird uns der Flimserstein daran erinnern, dass uns der innere Zusammenhalt der Schweiz nicht in den Schoss f\u00e4llt. Der Flimserstein erinnert mit seiner grausamen Legende aus vorgeschichtlicher Zeit an die Existenzk\u00e4mpfe und Fehden [PAGE 1620] der Alpenbewohner, als Glarner und Flimser um Weide- und Alprechte k\u00e4mpften. Auf ihrem Raubzug auf der Alp warfen die Glarner die B\u00fcndner Sennen in die siedende Milch und machten sich mit Vieh und Habe auf die R\u00fcckwanderung. Der eine Senn, der sich vor den R\u00e4ubern hatte retten k\u00f6nnen, verausgabte sich bei der Alarmierung der Flimser derart, dass sein Blut den Flimserstein herunterfloss und noch heute zu sehen ist. Ihm war es zu verdanken, dass das gestohlene Gut schliesslich wieder gerettet werden konnte. Damit konnte die Zeit der kleinlichen Fehden durch eine Zeit der gegenseitigen Achtung und Kooperation abgel\u00f6st werden. Die Legende m\u00f6ge uns daran erinnern, dass Eintracht als Ziel nur prozesshaft, Schritt um Schritt, zu erreichen ist und dass diese Schritte nicht immer gradlinig vorw\u00e4rts gerichtet sind. </p>\n<p>Sollen wir uns freuen, dass wir 10 Jahre nach der Annahme des Sprachenartikels und 14 Jahre nach der EWR-Abstimmung endlich ein Gesetz zu den Landessprachen behandeln werden? Nach dem EWR-Nein ging ein Aufschrei durch die Schweiz, der sich zum seither gel\u00e4ufigen politischen Schlagwort der \"coh\u00e9sion nationale\" verdichtet hat. Der Ruf nach einem Tatbeweis f\u00fcr diese \"coh\u00e9sion nationale\" f\u00fchrte bei der Umsetzung des Sprachenartikels zu z\u00e4hen und harten Verhandlungen, bei denen alle Player - Bund, Kantone, Bildungs- und Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen - um einen Konsens rangen, der jetzt vorliegt. Diese Session in Graub\u00fcnden wird, so hoffe ich, bei der Behandlung dieses Gesetzes in der Wintersession nachwirken. Das Parlament wird sich in Erinnerung an die herrliche Berglandschaft daran machen, dieses Projekt entschlossen und ernsthaft zu behandeln. </p>\n<p>Um Elementares geht es auch beim zweiten Projekt. Es l\u00e4sst sich trefflich dar\u00fcber streiten, was zuerst kommt, das Fressen oder die Moral. Tatsache ist, dass es f\u00fcr unser Land von Bedeutung ist, wie wir das Verh\u00e4ltnis und den Ausgleich zwischen den Zentren und der Peripherie regeln. Das Projekt einer neuen Regionalpolitik ist ein anderer wichtiger Pfeiler, der auf Bundesebene geregelt werden muss und den das Parlament hier in Flims an die Hand nehmen wird. </p>\n<p>Zum Beginn unserer Session abschliessend noch ein Link zu unserem noblen und touristischen Umfeld: Der Direktor hat den aufwendigen Umbau seines Hotels so kommentiert: Hier prallen - architektonisch gesehen - zwei Welten aufeinander, die eigenst\u00e4ndig sind und doch miteinander harmonieren. Ich w\u00fcnsche mir, dass wir diese Herausforderung aufnehmen. Unsere politische Arbeit wird landl\u00e4ufig als beh\u00e4big empfunden. Das w\u00fcrde zum Jugendstil passen, der uns umgibt. Aber der Jugendstil ist hier erg\u00e4nzt durch viel Moderne, etwa den Glaskubus. Diese Umgebung inspiriert und erinnert uns daran, dass wir als Parlament den grossen Anforderungen und Erwartungen gerecht werden m\u00fcssen, welche die \u00d6ffentlichkeit an uns hat. Politisieren wir effizient und transparent, ohne bei unseren Debatten die Tiefe zu vernachl\u00e4ssigen!</p>\n<p>F\u00fcr einmal darf \u00fcbrigens der St\u00e4nderat die Rolle der h\u00f6chsten Kammer \u00fcbernehmen, tagt er doch zehn Meter h\u00f6her als der Nationalrat - das werden wir Nationalr\u00e4tinnen und Nationalr\u00e4te \u00fcberleben. Es hat auch nichts Entw\u00fcrdigendes an sich, wenn der Nationalrat seine Sitzungen in einer Tennishalle abh\u00e4lt. Erinnern wir uns daran, dass die Franz\u00f6sische Revolution am 20. Juni 1789 mit einer Sitzung der Etats g\u00e9n\u00e9raux im Saal des \"Jeu de Paume\" begann, weil der K\u00f6nig den Abgeordneten den Zugang zur \"Salle des Menus Plaisirs\" verwehrt hatte. </p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und vor allem der Schweizer Bev\u00f6lkerung, dass diese einmalige Session zu guten Ergebnissen f\u00fchrt.</p>\n<p>Cun quests pleds avrel jau la sessiun d'atun a Flem!</p>\n<p>Ich \u00fcbergebe nun das Wort Herrn Dr. Thomas Ragettli, Gemeindepr\u00e4sident von Flims. </p>\n</pd_text>","MeetingCouncilAbbreviation":"V","MeetingDate":"20060918","MeetingVerbalixOid":1490,"IdSession":"4714","SpeakerFirstName":"Claude","SpeakerLastName":"Janiak","SpeakerFullName":"Janiak Claude","SpeakerFunction":"P-M","CouncilId":1,"CouncilName":"Nationalrat","CantonId":13,"CantonName":"Basel-Landschaft","CantonAbbreviation":"BL","ParlGroupName":"Sozialdemokratische Fraktion","ParlGroupAbbreviation":"S","SortOrder":1,"Start":"\/Date(1158589823017)\/","End":"\/Date(1158590697437)\/","Function":"P-M","DisplaySpeaker":true,"LanguageOfText":"DE","Modified":"\/Date(1510849722013)\/","StartTimeWithTimezone":"\/Date(1158589823017+0120)\/","EndTimeWithTimezone":"\/Date(1158590697437+0120)\/","VoteBusinessNumber":null,"VoteBusinessShortNumber":null,"VoteBusinessTitle":null}}